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Muslimische Partnersuche und Heirat in Deutschland

Muslimische Partnersuche und Heirat in Deutschland

Die muslimische Bevölkerung Deutschlands ist vor allem durch die Anwerbung von Arbeitskräften aus der Türkei und dem Balkan in der Nachkriegszeit gewachsen, in jüngerer Zeit auch durch Geflüchtete und Studierende aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und Nordafrika. Heute leben Musliminnen und Muslime in fast jeder deutschen Stadt, mit großen Gemeinschaften in Berlin, im Rhein-Ruhr-Gebiet um Köln und Duisburg, in Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und München. Für alleinstehende Muslime auf Partnersuche bedeutet das viele mögliche Partner, die allerdings oft auf sehr unterschiedliche ethnische und sprachliche Netzwerke verteilt sind.

Dieser Ratgeber beschreibt, wie ernsthafte muslimische Partnersuche in Deutschland typischerweise abläuft, welche Rolle das Standesamt spielt und worauf Sie achten sollten.

Viele Gemeinschaften, viele Sprachen

Familien türkischer Herkunft bilden die größte Gruppe, gefolgt von arabischen, kurdischen, bosnischen, albanischen und kosovarischen, afghanischen, iranischen, pakistanischen und westafrikanischen Gemeinschaften sowie deutschen Konvertiten. Jede hat meist eigene Moscheen und Vereine, und viele Familien bevorzugen nach wie vor einen Ehepartner mit demselben Hintergrund. Jüngere Muslime, die in Deutschland aufgewachsen sind, sprechen untereinander meist Deutsch und sind offener für Verbindungen über Gemeinschaftsgrenzen hinweg.

Es gibt große Dachverbände wie die DITIB und den Zentralrat der Muslime in Deutschland, und die DITIB-Zentralmoschee in Köln gehört zu den bekanntesten Moscheen des Landes. Das eigentliche Gemeindeleben findet jedoch in den örtlichen Moscheevereinen statt.

Wie man sich tatsächlich kennenlernt

Die Vorstellung durch die Familie bleibt zentral, besonders in türkischen und arabischen Haushalten, in denen Verwandte in Deutschland und im Herkunftsland mitreden können. Daneben lernen sich viele kennen über:

Viele machen gute Erfahrungen mit einer Mischung: Sie suchen über das eigene Umfeld und Online-Plattformen nach passenden Kandidaten und beziehen die Familien ein, sobald echtes Interesse besteht. Unser Ratgeber zu halal Wegen des Kennenlernens erklärt die Umgangsformen.

Deutsch-türkische Traditionen

In türkischen Familien besuchen traditionell die Verwandten des Mannes die Familie der Frau, um um ihre Hand anzuhalten (Kız isteme); es folgen eine kleine Versprechensfeier und die Verlobung. Ein Hennaabend vor der Hochzeit ist verbreitet. In Deutschland werden diese Bräuche oft angepasst, doch Eltern schätzen es meist, wenn sie gewahrt werden. Hat Ihre Familie Wurzeln in der Türkei, erklärt unser Länderratgeber Türkei sie ausführlicher.

Eherecht: das Standesamt

In Deutschland ist nur eine vor einem Standesbeamten geschlossene Ehe rechtsgültig. Eine religiöse Nikah allein hat keine zivilrechtliche Wirkung, gleichgültig, in welcher Reihenfolge sie stattfindet. Paare melden die Eheschließung in der Regel beim Standesamt am Wohnsitz eines Partners an und legen Unterlagen wie Geburtsurkunden, eine Meldebescheinigung und Ausweisdokumente vor.

Wer nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, braucht meist zusätzliche Papiere, häufig ein Ehefähigkeitszeugnis aus dem Herkunftsland, dazu Übersetzungen sowie eine Legalisation oder Apostille. Das Zusammenstellen kann Monate dauern, beginnen Sie also früh. Die Anforderungen unterscheiden sich von Standesamt zu Standesamt und ändern sich mit der Zeit, fragen Sie daher direkt bei Ihrem nach. Dies ist eine allgemeine Information und keine Rechtsberatung.

Wer nach einer rein religiösen Trauung als Ehepaar zusammenlebt, steht unter Umständen – beide Partner, besonders aber die Ehefrau – ohne rechtlichen Schutz bei Unterhalt, Aufenthaltsrecht oder Erbschaft da. Die meisten Imame in Deutschland ermutigen Paare deshalb, auch standesamtlich zu heiraten.

Erwartungen der Familie und der Wali

In vielen Familien möchten die Eltern einen möglichen Ehepartner früh kennenlernen und erkundigen sich gegebenenfalls nach dem Ruf der anderen Familie. Bei Frauen wird nach den meisten Rechtsschulen die Beteiligung des Wali (in der Regel des Vaters) erwartet; für bereits verheiratet gewesene Frauen gehen die Ansichten auseinander. Konvertitinnen ohne muslimische Verwandte können einen Imam ihres Vertrauens fragen, wie sich ein Wali bestimmen lässt. Bei religiösen Rechtsfragen wenden Sie sich an einen qualifizierten Gelehrten.

Ehen zwischen Gemeinschaften, etwa zwischen einem Deutsch-Türken und einer bosnischen oder arabischen Partnerin, werden immer häufiger und bringen praktische Fragen mit sich: Sprache, Stil der Hochzeit und wessen Bräuche Vorrang haben. Lesen Sie dazu unsere Seite über Ehen über Kulturgrenzen hinweg.

Sicherheit und Betrug

Das deutsche Aufenthaltsrecht führt dazu, dass manche eine Ehe teilweise aus aufenthaltsrechtlichen Gründen anstreben. Das ist nicht immer unredlich, sollte aber nie verschwiegen werden. Seien Sie vorsichtig bei jemandem, der auf eine schnelle Heirat drängt, Ihre Familie nicht kennenlernen will, um Geld bittet oder vorerst nur eine religiöse Ehe möchte.

Fazit

Deutschland belohnt Geduld und Organisation. Der Papierkram braucht Zeit, Familien leben womöglich in zwei Ländern, und die Gemeinschaften wirken manchmal voneinander getrennt. Doch viele junge Muslime in Deutschland bauen Ehen auf, die die Traditionen ihrer Eltern mit dem deutschen Alltag verbinden – und mit einem klaren Plan ist es gut möglich, einen Partner zu finden, der Ihre Werte teilt.

Erwähnte Fachplattform

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