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Muslimische Partnersuche und Heirat in Istanbul

Muslimische Partnersuche und Heirat in Istanbul

Istanbul erstreckt sich über zwei Kontinente, und die Einstellungen zur Ehe reichen fast ebenso weit. In Fatih oder Üsküdar begegnen Sie Familien, die Vorstellungen über Moscheekreise und Nachbarn arrangieren; in Kadıköy oder Beşiktaş lernen sich Paare vielleicht bei der Arbeit kennen und stellen ihre Wahl erst später den Eltern vor. Hinzu kommt eine große Zahl arabischer, zentralasiatischer, afrikanischer und europäischer Muslime, die sich in der Stadt niedergelassen haben, und so wird Istanbul zu einem der vielfältigsten Orte der muslimischen Welt für die Suche nach einem Ehepartner.

Dieser Ratgeber erklärt, wie sich Muslime mit Heiratsabsicht in Istanbul kennenlernen, welche türkischen Bräuche einen Heiratsantrag begleiten, worin der entscheidende Unterschied zwischen religiöser Nikah und Zivilehe besteht, und gibt praktische Sicherheitstipps. Den landesweiten Zusammenhang finden Sie in unserem Ratgeber zur Türkei.

Gemeinschaften und Sprachen

Die meisten türkischen Staatsbürger sind sunnitische Muslime der hanafitischen Rechtsschule; daneben gibt es eine große alevitische Gemeinschaft mit eigenen Traditionen sowie kurdische Familien, von denen viele der schafiitischen Rechtsschule folgen. Die Moscheen werden vom staatlichen Präsidium für Religionsangelegenheiten (Diyanet) verwaltet, und historische Moscheen wie die Süleymaniye, die Sultan-Ahmed-Moschee und die Eyüp-Sultan-Moschee stehen im Mittelpunkt des religiösen Lebens der Stadt.

In Istanbul leben außerdem zahlreiche Syrer sowie Araber aus der ganzen Region, Afghanen, Usbeken, Turkmenen und Muslime aus Afrika und Europa, von denen viele mit ihren Familien sesshaft geworden sind oder zum Studium oder zur Arbeit kommen. Türkisch ist für den Alltag und für Behördengänge unverzichtbar; in bestimmten Stadtteilen hört man häufig Arabisch, Kurdisch, Englisch und Russisch.

Wie man sich kennenlernt

Für den traditionellen Weg hat das Türkische ein eigenes Wort: Görücü usulü, eine von Familie oder Bekannten arrangierte Vorstellung, bei der sich die möglichen Partner im Haus der Frau begegnen. In konservativen Familien und bei Menschen, die ein zügiges, zielgerichtetes Vorgehen wünschen, ist das weiterhin verbreitet. Viele andere lernen sich an der Universität, bei der Arbeit, über Freunde oder über Gemeinde- und Wohltätigkeitsstiftungen kennen und beziehen ihre Familien ein, sobald sie sich sicher sind.

Moscheen und Korankurse vermitteln Gemeinschaftsgefühl, sind aber keine Orte für Vorstellungen. Typische Treffpunkte in Begleitung sind Teegärten und Cafés am Bosporus, Familienrestaurants und belebte Einkaufszentren. In der Stadt lebende ausländische Muslime lernen sich häufig über eigene Gemeinschaftsvereine oder am Arbeitsplatz kennen; wenn das auf Sie zutrifft, behandelt unser Artikel über die Ehe zwischen Partnern unterschiedlicher Herkunft Bedenken, die in Familien aufkommen können.

Kız isteme und türkische Bräuche

Wird es ernst, stattet die Familie des Mannes einen Besuch ab, um „um das Mädchen anzuhalten“, auf Türkisch Kız isteme. Sie bringt oft Schokolade und Blumen mit, und die künftige Braut serviert türkischen Kaffee; nach einer bekannten, scherzhaften Tradition gibt sie Salz in die Tasse des Bräutigams, um zu sehen, wie er reagiert. Das älteste Mitglied der Familie des Mannes trägt die Bitte vor, und der Vater oder ein Älterer der Frau antwortet, manchmal nach einer Bedenkzeit.

Auf die Zustimmung folgen oft Söz (eine Versprechenszeremonie) und Nişan (die Verlobung), bei der Ringe getauscht werden, die mit einem roten Band verbunden sind, das ein Älterer durchschneidet. Vor der Hochzeit veranstalten viele Familien eine Kına gecesi, einen Hennaabend für die Braut mit weiblichen Verwandten und Freundinnen. Goldgeschenke bei der Hochzeit sind üblich. Der Umfang all dessen ist sehr unterschiedlich, und viele Paare in Istanbul halten es schlicht.

Zivilehe und religiöse Nikah

In der Türkei ist nur eine von einem befugten Beamten geschlossene Zivilehe rechtsgültig. Sie findet meist in einem städtischen Trauungsamt (Evlendirme dairesi) statt, und seit 2017 dürfen auch die Muftiämter der Provinzen und Bezirke offizielle Zivilehen schließen. Antragsteller benötigen in der Regel Ausweisdokumente, Fotos und ein ärztliches Attest; ausländische Staatsangehörige brauchen meist ein Ehefähigkeitszeugnis aus ihrem Heimatland, mit Übersetzungen und Legalisation. Für deutsche Staatsangehörige stellt das Ehefähigkeitszeugnis das zuständige Standesamt in Deutschland aus. Polygamie ist gesetzlich nicht erlaubt, und das reguläre Mindestalter liegt bei 18 Jahren, mit engen Ausnahmen. Prüfen Sie die aktuellen Anforderungen bei der Stadtverwaltung oder Ihrem Konsulat; diese Seite ist keine Rechtsberatung.

Warum eine Imam-Nikah allein nicht genügt

Viele Paare halten zusätzlich eine religiöse Zeremonie ab, die Imam nikahı. Für sich allein hat sie in der Türkei keine Rechtswirkung: Sie begründet keine Ansprüche auf Erbe, Unterhalt oder Aufenthalt und schützt nicht den rechtlichen Status der Kinder. Seien Sie sehr vorsichtig, wenn Ihnen jemand eine Imam-Nikah ohne standesamtliche Registrierung vorschlägt; diese Situation hat manche Frauen, darunter ausländische und geflüchtete Frauen, ohne jeden Schutz gelassen.

Sicherheit in einer riesigen Stadt

Die Größe Istanbuls und seine internationale Bevölkerung machen die Stadt zum Ziel für Heiratsbetrug und ausbeuterische Anträge. Warnzeichen sind die Weigerung, Ihre Familie kennenzulernen, widersprüchliche Angaben zu Arbeit oder Aufenthaltsstatus, Bitten um Geld und Druck, schnell oder heimlich zu heiraten. Nutzen Sie Videoanrufe, treffen Sie sich an öffentlichen Orten und prüfen Sie Angaben über vertrauenswürdige Kontakte. Lebt Ihr potenzieller Partner stattdessen in der Hauptstadt, werfen Sie einen Blick in unseren Ratgeber zu Ankara.

Checkliste für Istanbul