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Muslimische Partnersuche und Heirat in Indien

Muslimische Partnersuche und Heirat in Indien

Indien hat eine der größten muslimischen Bevölkerungen der Welt, und doch sind Muslime in diesem riesigen und vielfältigen Land eine Minderheit. Eine Muslimin aus Kerala, ein Muslim aus Hyderabad und eine Familie aus Kaschmir teilen denselben Glauben, sprechen aber verschiedene Sprachen, essen anders und feiern Hochzeiten nach ganz unterschiedlichen Bräuchen. Wer in Indien einen Ehepartner sucht, bewegt sich deshalb nicht nur zwischen religiösen Fragen, sondern auch zwischen Region, Sprache, Gemeinschaft und den Erwartungen der Familie.

Dieser Ratgeber bietet einen praktischen Überblick für indische Muslime im Land und in der Diaspora sowie für alle, die einen indischen Muslim oder eine indische Muslimin heiraten möchten.

Eine vielfältige Gemeinschaft

Muslime leben in ganz Indien, mit großen Gemeinden in Uttar Pradesh, Westbengalen, Bihar, Kerala, Assam, Maharashtra, Telangana und Karnataka sowie einer muslimischen Mehrheit in Jammu und Kaschmir. Gesprochen werden unter anderem Urdu, Hindi, Bengali, Malayalam, Tamil, Kaschmiri und Gujarati. Die meisten indischen Muslime sind Sunniten; daneben gibt es bedeutende schiitische Gemeinden und kleinere Gruppen wie die Dawoodi Bohras, jeweils mit eigenen Institutionen und Bräuchen.

Innerhalb der sunnitischen Gemeinden fühlen sich viele unterschiedlichen Traditionen oder Rechtsschulen verbunden, und manche Familien legen bei der Partnerwahl großen Wert darauf. Auch die soziale Herkunft spielt für viele eine Rolle: Gemeinschaften wie Syeds, Ansaris oder Qureshis bevorzugen mitunter Ehen innerhalb der eigenen Gruppe, obwohl viele Gelehrte betonen, dass Frömmigkeit und Charakter an erster Stelle stehen sollten.

Wie Bekanntschaften zustande kommen

Arrangierte und halb arrangierte Ehen sind nach wie vor die Regel. Familien tauschen sogenannte „Biodatas“ aus, kurze Profile mit Ausbildung, Beruf, Familienangaben und Foto. Verwandte und ältere Gemeindemitglieder schlagen Kandidaten vor, und Heiratsanzeigen sowie Heiratsportale sind weit verbreitet. Häufig besucht zunächst die Familie des Bräutigams das Elternhaus der Braut, danach folgt ein Treffen des Paares, manchmal auch mehrere, mit der Familie in der Nähe.

Unter gebildeten Berufstätigen in den Städten werden sogenannte „love-cum-arranged“-Ehen immer häufiger: Zwei Menschen lernen sich an der Hochschule oder im Beruf kennen und bitten dann ihre Familien um Zustimmung. Ganz gleich, welchen Weg Sie gehen, rechnen Sie damit, dass Eltern nach Ausbildung, Einkommen, Familienhintergrund und religiöser Praxis fragen.

Nikah und standesamtliche Registrierung

Muslimische Ehen in Indien unterliegen in der Regel dem muslimischen Personalstatut. Die Nikah wird von einem Qazi oder Imam mit Zustimmung beider Partner, im Beisein von Zeugen und mit vereinbarter Mahr geschlossen und in einem Nikahnama festgehalten. Einige Gemeindeorganisationen veröffentlichen Muster-Nikahnamas, in die die Frau schützende Bedingungen aufnehmen kann.

In vielen Bundesstaaten ist die zivile Registrierung der Ehe vorgeschrieben oder wird empfohlen, und eine Heiratsurkunde ist für Pässe, Visa und Eigentumsfragen sehr nützlich. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Bundesstaat; erkundigen Sie sich daher beim örtlichen Heiratsregister. Wer in Deutschland lebt, sollte zudem klären, wie eine in Indien geschlossene Ehe hier anerkannt und beim Standesamt nachbeurkundet werden kann.

Interreligiöse Paare, die nicht konvertieren möchten, können nach dem Special Marriage Act heiraten, einem säkularen Gesetz, das eine vorherige öffentliche Bekanntmachung vorsieht. Solche Ehen stoßen mitunter auf Widerstand in der Familie und gelegentlich auf öffentliche Anfeindungen; Paare sollten sich daher rechtlich beraten lassen und ihre Sicherheit sorgfältig bedenken. Das Gesetz von 2019, das den sofortigen dreifachen Talaq unter Strafe stellt, zeigt zudem, dass sich der rechtliche Rahmen weiter verändert. Holen Sie stets aktuellen Rat bei einer qualifizierten Anwältin oder einem Anwalt ein.

Hochzeitsbräuche

Die Bräuche sind sehr unterschiedlich. In nordindischen, urdusprachigen Familien gehören oft Manjha oder Haldi, ein Mehndi-Abend, die Nikah und die Walima dazu. In Kerala fallen Hochzeiten häufig schlichter aus, mit der Nikah in der Moschee oder im Haus der Braut und einem anschließenden Essen. Hochzeiten in Hyderabad sind für ihre Küche und ihre prächtige Kleidung berühmt.

Mitgift ist in Indien gesetzlich verboten und widerspricht dem islamischen Grundsatz, dass der Bräutigam die Mahr gibt. Dennoch tauchen in manchen Familien Forderungen nach Geschenken und Geld auf. Sprechen Sie Erwartungen offen an und lehnen Sie jede Forderung ab, die nach Mitgift aussieht.

Wo man Menschen kennenlernt

Sicherheit, Betrug und Druck

Gefälschte Profile, übertriebene Angaben zu Einkommen oder Auslandsjobs und Bitten um Geld sind auf Heiratsportalen häufig. Prüfen Sie Ausbildung und Beruf, sprechen Sie mit der Familie und treffen Sie sich in der Öffentlichkeit. Familien in den Golfstaaten, in Europa und in Nordamerika, die einen Partner aus Indien suchen, sollten bei visumsmotivierten Anträgen besonders aufmerksam sein, und Inder, die im Ausland heiraten, sollten sich vergewissern, dass die andere Person tatsächlich ledig ist. Zwangsheirat ist niemals akzeptabel: Die Zustimmung beider Ehepartner ist eine Grundvoraussetzung für eine gültige Nikah.

Praktische Checkliste

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