„Halal Dating“ ist ein moderner Ausdruck, und manche Gelehrte lehnen ihn ab, weil „Dating“ im Alltagssinn eine Beziehung ohne Verbindlichkeit nahelegt. Gemeint ist damit meist, einen möglichen Ehepartner so kennenzulernen, dass die islamischen Grenzen gewahrt bleiben. Diese Seite erklärt die Grundsätze, die Gelehrte häufig erörtern, und zeigt, wo die Meinungen auseinandergehen – damit Sie den Menschen, deren religiösem Rat Sie vertrauen, bessere Fragen stellen können.
Nichts hiervon ist eine Fatwa. Die Positionen unterscheiden sich zwischen der hanafitischen, malikitischen, schafiitischen und hanbalitischen Rechtsschule, zwischen sunnitischer und schiitischer Gelehrsamkeit und zwischen einzelnen Gelehrten, die sie auf das moderne Leben anwenden. Wenn Ihnen eine Frage wichtig ist, wenden Sie sich an einen qualifizierten Gelehrten oder Imam Ihres Vertrauens.
Der Zweck bestimmt die Regeln
Die klassische Gelehrsamkeit erlaubt es einem Mann und einer Frau im Allgemeinen, einander kennenzulernen, wenn eine aufrichtige Heiratsabsicht besteht. Als Grundlage wird häufig die prophetische Überlieferung angeführt, die einen künftigen Ehepartner ermutigt, die Person anzusehen, die er heiraten möchte. Dahinter steht der Gedanke, dass die Ehe ein ernster Vertrag ist, den beide Seiten informiert und aus freiem Willen eingehen sollten. Kontakt ohne Heiratsabsicht oder ohne realistische Aussicht auf eine Ehe fällt nach Ansicht der meisten Gelehrten nicht unter diese Erlaubnis.
Khalwa: warum die Zweisamkeit der Kernpunkt ist
Die meisten Gelehrten sind der Auffassung, dass ein Mann und eine Frau, die nicht Mahram füreinander sind, nicht allein in einem privaten, abgeschlossenen Raum zusammen sein sollten; das nennt man Khalwa. In der Praxis ist dies der Grund, warum viele Familien darauf bestehen, dass Treffen im Beisein eines Verwandten oder an einem öffentlichen Ort stattfinden, wo andere sie sehen können. Gelehrte diskutieren, was in modernen Situationen als Khalwa gilt: Ein belebtes Café wird in der Regel anders bewertet als ein geschlossener Raum oder ein geparktes Auto, auch wenn manche jedes Treffen unter vier Augen strenger sehen.
Begleitete Treffen
Verbreitet ist, dass der Vater, Bruder oder ein anderer Mahram der Frau, manchmal auch eine vertraute weibliche Verwandte, bei den Treffen anwesend oder in der Nähe ist. Manche Familien sitzen im selben Raum; andere setzen sich im selben Restaurant an einen anderen Tisch, damit das Paar sich mit einer gewissen Privatsphäre unterhalten kann, ohne allein zu sein. Vereinbaren Sie die Regelung vorher, damit sich am Tag selbst niemand unwohl fühlt.
Nachrichten, Telefonate und Video
Telefone und Apps gab es nicht, als die klassischen Bestimmungen formuliert wurden, daher wenden Gelehrte allgemeine Grundsätze an. Viele halten zielgerichtete, respektvolle Gespräche über ehebezogene Themen für zulässig, warnen aber vor Flirten, nächtelangem Chatten um seiner selbst willen und dem Austausch privater Fotos. Manche empfehlen, einen Wali oder Verwandten in Kopie zu nehmen oder die Gespräche in einem Gruppenchat zu führen. Andere sehen kein Problem in Einzelnachrichten, solange der Inhalt angemessen bleibt. Fragen Sie sich, ob Sie damit einverstanden wären, dass Ihre Familie den Austausch liest – viele empfinden das als verlässlichen Prüfstein.
Die Rolle des Wali und der Familie
Für die Eheschließung einer Frau verlangt die Mehrheit der sunnitischen Rechtsschulen die Zustimmung ihres Wali als Voraussetzung für die Gültigkeit der Nikah, während die hanafitische Schule einer volljährigen Frau im Allgemeinen erlaubt, ihre Ehe selbst zu schließen, die Beteiligung des Wali aber dennoch schätzt. Die schiitische Gelehrsamkeit hat hierzu eigene Positionen, die sich ebenfalls im Detail unterscheiden. Über alle diese Ansichten hinweg gilt die Beteiligung der Familie weithin als Schutz für beide Seiten und nicht als bloße Formalität. Wer den Wali früh einbezieht, schreckt zudem Menschen ab, die es nicht ernst meinen.
Männer brauchen in der Regel keinen Wali im selben Sinne, doch auch bei ihnen wird die Einbeziehung der Eltern in den meisten Gemeinschaften empfohlen. Konvertiten, deren Familien nicht muslimisch sind, stehen hier vor besonderen Fragen; unsere Seite zur Heirat mit Konvertiten erklärt, wie in dieser Lage üblicherweise ein Wali bestimmt wird.
Istichara und Beratung
Vor einer Entscheidung beten viele Muslime die Salat al-Istichara, ein Gebet aus zwei Einheiten mit anschließendem Bittgebet, in dem man Allah um Rechtleitung bittet. Gelehrte erklären in der Regel, dass die Antwort nicht unbedingt ein Traum oder ein starkes Gefühl ist; es kann auch einfach sein, dass sich die Dinge leichter oder schwieriger fügen. Die Istichara wird meist mit der Schura verbunden, also der Beratung mit weisen, vertrauenswürdigen Menschen, die Sie und nach Möglichkeit auch die andere Person kennen.
Wo man sich uneinig ist und wie man damit umgeht
Manche Paare stellen fest, dass ihre Familien unterschiedlichen Auffassungen folgen. Die eine Familie sieht Telefonate gelassen, während die andere erwartet, dass jeder Kontakt über die Eltern läuft. Statt darüber zu streiten, wer recht hat, hilft es meist, sich auf einen gemeinsamen Maßstab zu einigen, den beide Familien mittragen können, oft den vorsichtigeren. Wenn Sie weiterhin unsicher sind, fragen Sie einen Imam, den beide Familien respektieren. Die praktische Seite, Schritt für Schritt bis zur Nikah, beschreibt unser Ratgeber zum Weg von der Vorstellung bis zur Ehe.
Praktische Checkliste zu den Umgangsformen
- Machen Sie Ihre Heiratsabsicht von Anfang an deutlich.
- Vermeiden Sie es, an privaten Orten allein zu sein; bevorzugen Sie öffentliche oder begleitete Treffen.
- Halten Sie Nachrichten zielgerichtet und respektvoll, und tauschen Sie keine privaten Bilder aus.
- Beziehen Sie Wali und Familien frühzeitig ein.
- Beten Sie die Istichara und beraten Sie sich vor der Entscheidung mit vertrauenswürdigen Menschen.
- Bei unterschiedlichen Auffassungen: Einigen Sie sich auf einen gemeinsamen Maßstab und fragen Sie einen Gelehrten, dem Sie beide vertrauen.
